Frühgeschichte und Entstehung
1. Frühgeschichte eines schwäbischen Dorfes
Wenn man Hochwang ausschließlich unter diesem Punkt näher betrachten würde, wäre dieses Kapitel wohl in wenigen Sätzen behandelt. Doch unser Dorf hat es sich in einem Winkel Bayerisch-Schwabens bequem gemacht, der einige historische Fakten und noch viel mehr interessante Geschichten zu bieten hat.
Hochwang befindet sich am Unterlauf von Günz, welche in die nahe Donau mündet. Die frühesten Kenntnisse über Menschen in unserer Gegend bietet ein großes und gut erhaltenes keltisches Gräberfeld aus der Hallstattzeit (800 – 400 v.Chr.), das oberhalb von Ichenhausen liegt. Weitere keltische Zeugnisse in Formen von Gräbern und Wallanlagen lassen sich bei Waldstetten und im Dreieck Deubach – Wettenhausen - Stubenweiher finden. Festzuhalten ist, dass sich in unserer Gegend eine ungewöhnlich hohe Zahl solcher Anlagen befindet, die von einer ehemals starken Besiedlung zeugen und einen ausführlichen Spaziergang wert sind.
Die nächsten Jahrhunderte ist es im Hochwanger Raum wieder ruhig und es ist recht wenig über diese Zeit bekannt. Doch ab 15 v.Chr. überquert der römische Feldherr Drusus die Alpen und das Imperium Romanum breitet sich auch zu uns nach Schwaben aus. In unserer Gegend ist zu dieser Zeit der Stamm der Vindeliker beheimatet, mit denen die Römer sich aber recht gut arrangieren. Die Vindeliker sind nicht unbedingt die Vorfahren der bayerischen Schwaben, es handelt sich dabei vielmehr um eine keltische Stammesgruppe, deren Siedlungsgebiet sich vom Bodensee bis über den Lech hinaus erstreckte.
Im lateinischen Namen von Augsburg lässt sich ihr Name wiederfinden: Augusta Vindelicorum.
Doch kehren wir zurück zu den heimischen Gefilden um Hochwang. Bei Günzburg wird ein Donauübergang errichtet, die römische Armee stationiert dort eine Ala, eine 500 Mann starke Reitereinheit. In den Jahren 166-170 n.Chr. werden diese Reiter am „Transitus Danuvii Guntiensis“ (wie Günzburg in zeitgenössischen Quellen genannt wird) von der III. Italienischen Legion gestellt. Die römische Besatzung und der Pax Romana, das Wechselspiel von Herrschen und Frieden erhalten, welches die Römer meisterhaft beherrschen, halten bis ins 5. Jahrhundert n.Chr.
Jetzt beginnt sich Europa langsam selbst aus den Angeln zu heben, denn die Vorboten der Völkerwanderung gehen weder an Guntia noch an unserer gesamten Gegend spurlos vorüber. Rom muss seine Grenzen vom Limes bis an die Donau zurückziehen. Das bringt einen wachsenden Zustrom von Alemannen in unser Gebiet mit sich. Die Folgen sind bekannt: Rom verliert immer mehr Einfluss und Macht und die Volksgruppen verteilen sich neu, die Völkerwanderung ist in vollem Gange. Die kelto-romanische Urbevölkerung bleibt weiter bestehen, vermischt sich jedoch immer mehr mit den nachströmenden Alemannen und Franken. Aus diesem Völkergemisch ergeben sich im Laufe der Zeit wir bayerischen Schwaben.
Die kommenden Jahrhunderte, die Jahre 600-1100 n.Chr., sind gekennzeichnet von allerlei Herrschaften sowie deren Uneinigkeiten sowie ständiger Herrschaftswechsel, aber Hochwang als Dorf an sich existiert bis dato noch nicht.
Doch jetzt rückt das 12. Jahrhundert immer näher und 1129 wird im Kloster Wettenhausen erstmals ein Wortwin von Hohenwang erwähnt, 1160-1185 ist Wortwinus de Hohenwang als Probst des Klosters Wettenhausen genannt. 1146 hört man in Roggenburg von einem Henricus de Hochenwang. Es lässt sich aber sagen, dass dem Geschlecht derer von Hohenwang kein großer Erfolg beschieden ist. Es sind heutzutage nur 3 Glieder dieses Geschlechts nachweisbar, was auf ein recht schnelles Ende schließen lässt.
Frühes bis spätes Mittelalter
Die Jahre 1250 - 1750
Im Bereich des heutigen Landkreis Günzburg haben sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte schon die ersten Dörfer, Städte und Klöster entwickelt. Wettenhausen und Roggenburg sind jedem Einheimischen ein Begriff, 955 wird Risinespurch (Reisensburg) erwähnt, zwischen 1047 und 1063 erblickt curtis Attinbuoron (Ettenbeuren) das Licht der Welt, 1065 vernimmt man erstmals den Namen Guncenburg (Günzburg). Im Jahr 1032 erscheint übrigens Ritter Manegold von Ichenhausen, dessen Geschlecht eine ähnlich kurze Lebensdauer beschieden war wie denen von Hohenwang. Manegold hinterlässt der Nachwelt weder Nachfahren noch Wappen. Seine einzige Tat, die man heutzutage nachlesen kann, ist die Schenkung eines Halbhofs an das Kloster Wettenhausen.
Ein weiteres wichtiges Datum für Hochwang wird das Jahr 1273. Rudolf von Habsburg besteigt den deutschen Thron und wird Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Hochwang wird in die entstehende Markgrafschaft Burgau eingebettet, dem Dorf wird der Status eines Kameralortes zugesprochen, doch letztendlich geht es Hochwang wie vielen anderen Dörfern des Mittelalters: die Mächtigen der Zeit bedienen sich. Das Kloster Wettenhausen, der Deutsche Orden und der Markgraf von Burgau halten Lehen in Hochwang.
Die Deutschordenskommende Altshausen hat über neun Anwesen in Hochwang die Grundherrschaft inne. Ein Lehenshof wird bis 1746 im Besitz der Freiherren von Osterberg sein.
Diese Lehen sind Höfe und kleine landwirtschaftliche Anwesen, die Lehnsmänner von ihren Lehnsherren für persönliche Dienste erhalten. Der Kriegsdienst ist zu dieser Zeit ein sehr häufiger persönlicher Dienst.
Der Status als Kameralort ist für Hochwang von ganz außerordentlicher Bedeutung: große Teile der Markgrafschaft Burgau sind als Untertanen dem Adel und der Kirche zugewiesen, z.B. den Klöstern Elchingen und Wettenhausen oder den Familien von Stain oder von Knöringen. Hochwang allerdings untersteht, neben Günzburg, Burgau und Scheppach, direkt dem Marktgrafen von Burgau. Letztendlich werden die Steuern dadurch in Hochwang direkt vom Marktgrafen einkassiert und müssen keine Umwege über dritte machen.
Viel entscheidender wirkt sich aber die niedere Gerichtsbarkeit, das Jagdprivileg und die Landeshoheit aus, die in unseren Dorfgrenzen direkt vom Untervogt ausgeübt werden.
Dieser Untervogt in Hochwang, der auch den Titel eines Judenkassier trägt, ist ein österreichischer Staatsbeamter und die direkte Exekutive im Dorf.
Im Jahr 1381 wird erstmals von einer Hl.-Kreuz-Kirche gesprochen, aus der aber erst im 16. Jahrhundert eine eigene Pfarrei entsteht, wobei bis 1674 eine gemeinsame Pfarrei mit Oxenbronn bestehen wird.
1492 wird Hochwang erneut genannt, und wieder geht es darum, dass sich die Reichen und Mächtigen bedienen. Die Geschlechter v. Stain, v. Knöringen und v. Riedheim belehnen einen halben Großzehnt.
Das kommende 16. Jahrhundert birgt für Hochwang einen geschichtlich äußerst interessanten Aspekt, der über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten ist: jüdische Einwohner in Hochwang. In den Annalen des Klosters Elchingen liest man in den Jahren 1586 und 1587 von einer Gerichtsverhandlung „gegen den Juden Samuel zu Hochwang“. Der Untervogt in Hochwang wird bis zum Ende der Habsburger auch das Amt des „Judenkassiers“ ausüben und der „Judenberg“ in Deubach ist bis in die Gegenwart ein begriffliches Zeugnis für jeden Hochwanger.
Das Kloster Elchingen wird seine Hände in Hochwang auch noch im Spiel haben, denn am 1. September 1611 werden zwischen dem Kloster und Freiherr Philipp Eduard Fugger die Hochwanger Güter näher beschrieben, auf denen Elchingen die Niedergerichtsbarkeit ausüben wird.
Das Dorf selbst untersteht weiter dem Haus Habsburg, so wird der Kameralstatus durch diesen Vertrag nicht berührt.
Das 17. Jahrhundert ist bereits angebrochen, doch auf dem Dorf ahnt niemand, dass ein König aus einem weit entfernten Land namens Schweden, den die Chronisten „Löw aus Mitternacht“ nennen werden, Mitteleuropa an den Rand des Abgrunds bringt. 1618 werden in Prag einige Politiker im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster geworfen und landen in einem Misthaufen. Worüber man heute wohl lachen kann, war damals alles andere als witzig und hat für ganz Europa unabsehbare Folgen.
Der Dreißigjährige Krieg bricht aus und Soldaten, egal welcher Nationalität, morden und brandschatzen in Baiern und Schwaben und auch in Hochwang.
Besonders schwedische Truppen im Zeitraum 1632-1635 und noch einmal 1645-1648 hinterlassen Angst und Schrecken in Schwaben. Der jüngste Hochwanger Verein, die „Hochwanger Schilfsgräbsler e.V.“, wird ab 2007 an diese Zeit mit seinem Namen wieder erinnern.
Der Überlieferung nach verstecken sich die letzten Hochwanger während den verheerenden Zügen der Schweden im Schilf, das „Im Tal“ wächst. So ergibt sich dann 2007 der Namen für die Narrenzunft der „Hochwanger Schilfsgräbsler“
Der Hochwanger Bevölkerung widerfährt in dieser Epoche das gleiche Schicksal wie vielen anderen Dörfern in Schwaben. Entweder gibt es nach dem Krieg überhaupt keine Bevölkerung mehr oder die Einwohnerzahlen sind stark dezimiert.
Diese dunkle Zeit endet 1648. Doch wie sagt man: jedes Ende ist auch ein Neubeginn.
Es kommen die ersten Fremdarbeiter in die Gegend. Damals spricht man zwar von Einwanderern, doch wichtig war in erster Linie, dass das Leben wieder zu blühen begann. Hochwang, das unter österreichischen Farben steht, erfährt regen Zustrom aus dem Salzburger Land, der Schweiz und vor allem aus Südtirol, das bekannt für seine Weber ist. Diese Leinenweber werden aber auch bald Hochwang bekannt machen und dem Dorf so eine rege Einnahme-Quelle verschaffen. 1970 wird den Webern eine späte Ehre zuteil, denn ein Weberschiffchen ziert seitdem das Dorfwappen.
1696 liest man wieder einen bekannten Namen in Hochwang: de Bally. Wirklichen Nachdruck hinterlässt das Geschlecht nicht. Es erhält vom Kloster Wettenhausen damals einen Großzehnt zugesprochen, was sich für Hochwang noch als großes Problem erweisen wird. Der letzte namentlich nachweisbare de-Bally in Hochwang ist Jakob Joseph de Bally, der am 27. November 1748 stirbt. Den schwarzen Peter hat allerdings dessen Bruder Franz Ludwig de Bally inne, welchem von Jakob der Großzehnt vererbt werden soll. Franz, der als Anwalt beim Domkapitel Augsburg beschäftigt ist, und auch seine Schar an Gläubigern, können sich den Großzehnt jedoch schnell abschreiben, da Jakob Joseph de Bally einen kapitalen Formfehler bei der Überschreibung des Großzehnt begeht.
Die Überschreibung eines Lehen muss beim Lehenhof in Innsbruck beantragt werden, welcher dafür zuständig ist; Jakob Joseph wird diesen Antrag aber bis zu seinem Tod nicht stellen, was sich für seinen Bruder und dessen Schulden als fatal erweisen wird. Das Domkapitel Augsburg beobachtet diese Vorgänge natürlich mit größter Aufmerksamkeit und nimmt 1749 schließlich das Heft in die Hand, nachdem der hochverschuldete Franz Ludwig de Bally den Gläubigern durch seinen Tod noch mehr Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Das Domkapitel zieht daraufhin den Großzehnt der de Ballys ein und beginnt mit der Schuldenverwaltung und Rückzahlung aus dem Erlös des de Bally’schen Großzehnt.
Der fleißige Kirchgänger kann in Hochwang heute noch jeden Sonntag einen Blick auf die de Bally werfen: eine der Putten, ein kleiner und äußerst wohlgenährter Engel am Kopf des linken Altars, hält uns voller Stolz das de Bally'sche Wappen, den zweischwänzigen roten Löwen mit goldener Egge und silberner Lilie, vor Augen. Das Geschlecht der de Bally nimmt seinen Ursprung übrigens in Spanien und beginnt bei uns mit Claudius Lebally, der 1674 stirbt und hat mit Ludwig von Bally einen renommierten Namen in seinen Reihen. Ludwig von Bally wird im ausgehenden 18. Jahrhundert Kaiserlicher Rat und Rentmeister der Markgrafschaft Burgau sein.
Nachfahren der de Ballys leben noch heute im Raum München und Regensburg.
Der erste große Verlierer aus diesen ganzen Vorgängen um die Brüder de Bally, ist der Hochwanger Pfarrer Joseph Resch. Seine Hauptsorge in diesen Tagen ist der Kirchenneubau in Hochwang und ganz konkret erstmal das liebe Geld. Die Existenz des Großzehnt und die Verwaltung durch Augsburg ist Joseph Resch bekannt, doch der Schuldenberg de Ballys ganz und gar nicht. Er setzt seine ganze Hoffnung im Mai 1749 auf das Domkapitel Augsburg, um an die Erlöse des Großzehnt zu kommen. Augsburg war natürlich untätig seit dem Tod des letzten de Bally und schafft bereits Rücklagen aus dem Erlös des Großzehnt, was Joseph Resch weiß und worauf er auch abzielt. Letztendlich erstreitet Resch beim Domkapitel 2500 Gulden, dessen Priorität immer noch beim Schuldenabbau der de Ballys liegt. Resch kämpft wie ein Löwe, doch die Krönung seiner Vorbereitungen zum Kirchenbau bleibt Joseph Resch verwehrt, da er am 28. Januar 1750, kurz vor Baubeginn aus Hochwang abberufen wird. Sein Nachfolger und somit nächster Pfarrer von Hochwang und Bauherr des Neubaus ist Antonius Widenbaur aus Günzburg, der die Pfarrei am 21. Februar 1750 übernimmt.
Die Gegend um Hochwang, unser Dorf selbst natürlich auch, erfährt im 18. Jahrhundert auch eine ungeahnte kulturelle Blüte, der Barock streift auch die abgelegenen schwäbischen Dörfer. Viele Kirchen entstehen neu, die Günzburger Frauenkirche entfaltet ihre volle Pracht, doch auch Hochwang ist nicht untätig. 1751 wird die neue barocke Hochwanger Kirche auf ihrer romanischen Vorgängerin neu errichtet. Baumeister wie Joseph Dossenberger jun. und Kirchenmaler wie Johann-Baptist Enderle stehen in der Blüte ihrer Schaffenskraft. Diese Leute drücken nicht nur Hochwang, sondern der gesamten Region ihren Stempel auf. Heute sind wir dank dieser Enderle und Dossenberger ein bemerkenswerter Teil des „Schwäbischen Barockwinkels“, der für kulturinteressierte Menschen auch überregional große Anziehungskraft besitzt.
Doch kommen wir kurz zurück auf Hochwang und seine Kirche: wenn man in der Kirche steht und den Blick nach oben richtet, sieht man in großen lateinischen Ziffern das Jahr 1751 vermerkt. Mittlerweile sind sich die Forscher, vielleicht auch der eine oder andere Hochwanger, darüber nicht mehr einig, ob man unsere Kirche wirklich Joseph Dossenberger (der Jüngere) allein zuschreiben kann. Dass unser Gotteshaus von Dossenberger-Hand gebaut wurde steht außer Frage, doch kommt wohl eher eine Arbeit von Josephs Bruder Hans Adam in Frage. Dieser Hans Adam arbeitet bereits seit geraumer Zeit als Maurermeister, während Joseph noch als Maurergeselle geführt wird, als in Hochwang die Arbeiten beginnen.
Ausführlich und sehr stichhaltig belegt Reinhard Seitz im Jahr 2001 die Arbeiten des Jahres 1751 um Hans Adam Dossenberger im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen.
Joseph Dossenberger stirbt übrigens am 15. Mai 1785 in Wettenhausen.
In diese Zeit fällt auch die Arbeit des kaiserlichen Obristen Georg Lambert Kolleffel, der den gesamten habsburgischen Besitz in Schwaben kartographiert. Hochwang werden dabei „54 Feuerstätten nebst 2 Braustätten“ zugeschrieben.
Kolleffel markiert dabei die Hochwanger Mühle sowie die Braustätten an Stellen, die viele Hochwanger auch heute noch kennen: an der Günz und gegenüber der Kirche.
Napoleon, Habsburg, Bayern und das 19. Jahrhundert
Die Jahre 1750 - 1900
Die folgende Jahrzehnte und das ausklingende 18. Jahrhundert verlaufen recht geruhsam in Hochwang. Man genießt seinen Status als Untervogtei von Günzburg und das Privileg, einen eigenen Förster zu haben.
Das Amt des Gerichtsvogts bekleidet von 1768-1797 ein gewisser Franz Ignaz Vogl, der zugleich das Amt des „Judenkassier“ inne hat und eng mit dem Vogt in Ellzee zusammenarbeiten wird. Um den Hochwanger Forst kümmert sich 1805 zuletzt Georg Oberbiegler. Der Hochwanger Forst wird übrigens in Gemeindebesitz übergehen, sobald Habsburgs Herrschaft in unserem Dorf zu Ende ist und der bayerische Löwe 1806 das Zepter übernehmen wird.
In diesem Jahr nämlich bewegt ein kleingewachsener Korse namens Napoleon Bonaparte die europäische und somit auch, natürlich unbewusst, die Hochwanger Geschichte. Am Ende einiger Kriege, aus denen Napoleon als Sieger hervorgeht, steht ein Vertrag, den die Geschichtsbücher „Friede von Preßburg“ nennen werden.
Doch was bedeutet das für Hochwang: die Markgrafschaft Burgau und die österreichische Herrschaft hören auf zu existieren, Hochwang wird bairisch. Ab sofort ändert sich natürlich einiges, denn Bayern wird zentralistisch von den Wittelsbachern regiert und das ferne Wien wird durch das deutlich nähere München ersetzt. Die Säkularisierung, die schon 1803 in Baiern ihren Abschluss findet, setzt den weltlichen Herrschaftsansprüchen der Klöster Wettenhausen und Roggenburg ein jähes Ende. Eine der umwälzensten Punkte der königlich-bairischen Politik wird die Einführung der Schulpflicht und Pockenschutzimpfung unter Minister Graf Maximilian von Montgélas.
Man ist nun Teil des Königreiches Bayern, doch ob das Hochwanger Herz auch bayerisch schlagen soll, ist eine Frage, die in diesen Tagen viele bewegt. Der Kaiser von Österreich wird durch den König von Bayern ersetzt, Wittelsbach tritt an Habsburgs Stelle, doch die Hochwanger sind sich einer Sache sicher: sie sind Schwaben, von nun an eben bayerische Schwaben.
Der Schriftsteller Alfred Weitnauer beschreibt diese Sorte Mensch mit folgenden Worten: “...aufregend konservativ, misstrauisch gegen Neuerungen und gleichzeitig der übrigen Menschheit um hundert Jahre voraus...“. Charmanter lässt es sich wohl nicht in einen Satz fassen.
Man geht die neu erlangte Unabhängigkeit von Habsburg aber mit großem Elan an und in den Jahren 1810-1813 ist die Gemeinde mit dem Neubau eines Schulhauses beschäftigt. Standort dieses Gebäudes wird direkt an der heutigen B16 sein, an der Ecke B16 / Im Tal.
In dieser neuen Zeit ist 1817 ein weiterer Meilenstein der nun bairischen und auch Hochwanger Geschichte: im Zuge der königlich-bairischen Gemeindereform wird Hochwang für die nächsten 154 Jahre eine eigenständige Gemeinde mit dem ersten Gemeindevorsteher Schuler an der Spitze. Die Bezeichnung Bürgermeister wird sich erst einige Jahrzehnte später einbürgern.
Hochwang findet sich mit dieser neuen Situation im Schoße des bayerischen Löwen schnell zurecht und Dorf und Bevölkerung wachsen. 1823 werden in Hochwang 404 Einwohner gezählt. Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts entwickelt man sich unter Bürgermeister Josef Schuler und den Gemeinderäten Anton Bucher, Wendelin Kollmann jun. und Josef Baumeister kontinuierlich weiter, was einen Höhepunkt in der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1874 hat. In der Reihe der Kommandanten finden sich dabei typische Hochwanger Namen, wie Kollmann, Böck, Ritter, Miller oder Schleifer. Auch bei den Vorständen der Feuerwehr findet das kundige Hochwanger Ohr wohlbekannte Namen wie Essenwanger, Weiß, Finger, Grau oder Thoma.
Ein gewisses Maß an Eigeninitiative und Entschlussfreudigkeit in Hochwang bekommt die Regierung von Schwaben 1853 zu spüren. Die Kuppel des Kirchturmes, zu dieser Zeit noch vom Rokokostil geprägt, bereitet Pfarrer Balthasar Grimm im Sommer 1853 große Sorgen. Von der Witterung arg in Mitleidenschaft gezogen, erweist sich Grimm als Mann der Tat und lässt die Kuppel an einem Sommertag kurzerhand abnehmen und mehrere Holzbalken sowie das Kreuz samt Kugel komplett erneuern. Die Antwort auf dieses doch recht eigenmächtige Verhalten lässt nicht lange auf sich warten und Pfarrer Grimm erhält im September 1853 Post von der Regierung von Schwaben: „...laut einem Bericht der königlichen Bauinspektion vom 17. des laufenden Monats ist die Kirchturmkuppel zu Hochwang gänzlich abgetragen und soll in alter Weise wieder erneuert werden. Dieses eigenmächtige, gegen alle Vorschriften verstoßende Verfahren der Kirchenstiftsverwaltung verdient die strengste Rüge und ist diese derselben daher zu erteilen...“.
Über Konsequenzen aus diesem Vorfall ist aber nichts weiter in Erfahrung zu bringen.
Man sieht, dass Amtsschimmel und Bürokratie keine neumodischen Erfindungen sind, sondern schon vor mehr als 150 Jahren an der Tagesordnung waren.
Der Ärger der Behörden legt sich aber nach und nach und ab 1859 macht sich Ortsvorsteher Schuler daran, den Neubau des Schulhauses zu planen und umzusetzen.
Unterhalb der Kirche, dort wo später die Molkerei Hochwangern ein Begriff ist, wird innerhalb von drei Jahren zusammen mit dem Bezirksamt Günzburg das Schulhaus geplant und gebaut und im Sommer 1863 wird der zweite Schulhausbau für die Summe von 5737 Gulden vollendet.
Bemerkenswert neben obengenannten Eigensinn der Hochwanger Kirchenväter ist auch das Wachstum der Bevölkerung zu dieser Zeit und die hohe Zahl des Hochwanger Nachwuchses. So notiert die Schulinspektion Günzburg am 14. März 1878 für Wochenschule und Sonntagsschule stattliche 75 Schüler unter Lehrer Rosskopf. Dieser hat auch den Vorsitz der Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr am 27. Dezember 1874 inne.
Eine ähnlich hohe Zahl an Schülern wird Hochwang erst wieder 1962 erreichen, als die Schulinspektion 78 Kinder zählt. Lob oder auch Tadel der Lehrer Kaspar Link und Gisela Scholz sind sicherlich dem einen oder anderen Hochwanger Ohr heute noch vertraut.
Dem Gründungsjahr der Freiweilligen Feuerwehr Hochwang 1874 gehen Brände in den Jahren 1868,1873 und 1874 voraus, welche Bürgermeister Josef Schuler und seine Gemeinderäte in ihrem Entschluss bestärken, die Gründung einer Feuerwehr voran zu treiben. Im Juli 1868 brennt es in Hochwang Hausnummer 19. Martin Dohr wird später dort wohnen und älteren Hochwangern ein vertrauter Name sein. Im August 1873 brennt Hausnummer 15 von Anton Böck (Zuschneider) komplett ab. Das Zuschneider-Haus steht gegenüber der alten Schule (heute Alois-Burger-Strasse) und wird nach der Errichtung eines neuen Wohngebäudes die Heimat der Familie Baur. Die schlimmste Brandkatastrophe im ausgehenden 19. Jahrhundert sucht Hochwang am Faschingsdienstag des Jahres 1874 heim: vier Häuser in der Klostergasse (heute Schmidgasse) brennen komplett ab. An diesem 17. Februar bricht in Hausnummer 7 von Joseph Baumeister aus ungeklärter Ursache abends ein Feuer aus, das schnell auf die drei umliegenden Häuser Nr. 5, 6, 8 der Familien Johann Zimmermann, Schmiedemeister Peter Göppel und Lorenz Ritter übergreift. Die herbeigeeilten Dorfbewohner und bereits existierenden Feuerwehren der umliegenden Orte können allerdings nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Alle vier Häuser brennen bis auf die Grundmauern nieder.
Diese Brandkatastrophe wird für die Hochwanger Ansporn sein, innerhalb eines Jahres eine eigene Feuerwehr aufzubauen. Schon wenige Wochen nach dem Brand wird in Krumbach bei Kupferschmid Ignatz Müller für 250 Gulden eine erste Feuerspritze für Hochwang bestellt. Mit einer Reichweite von 21m und einer Spritzkraft von 120 l / Minute kann so bis 1884 Brandschutz ausgeübt werden. Am 27. Dezember 1874 erfolgt schließlich die Meldung an das Bezirksamt Günzburg, dass die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr in Hochwang abgeschlossen ist. Laut dieser Meldung werden Hauptlehrer Rosskopf als erster Vorstand und Josef Weiß als erster Kommandant in die Annalen eingehen.
Die Leistungsfähigkeit der ersten Spritze stößt aber schon bald an ihre Grenze, so dass keine zehn Jahre vergehen, bis der Hochwanger Gemeinderat unter Bürgermeister Alois Spengler am 19. August 1883 erneut beim Krumbacher Kupferschmid Müller eine nun vierrädrige Saug- und Druckspritze bestellen. Die Auslieferung zieht sich allerdings sehr in die Länge und erfolgt schließlich am 22. Mai 1884. Die Leistung von 160 l / Minute und Reichweite von 24m, welche durch eine Bedienung von 6 Mann erbracht, erweist sich für die nächsten 60 Jahre als ausreichend, denn erst 1942 erhält Hochwangs Wehr eine Motorspritze.
Diese Motorspritze wird die Frauenfeuerwehr durch die Kriegsjahre begleiten und erst 1965 durch einen umgebauten Opel und 1979 durch einen VW T3 ersetzt. Vorläufiger Höhepunkt wird 2008 die Indienststellung des dritten Feuerwehrautos in Hochwang unter den Kommandanten German Beh und dessen Stellvertreter Florian Merkle sein.
Am 18. September 1882 haben die Hochwanger Gemeinderäte unter Bürgermeister Alois Spengler die Erhebung eines Brückenzolls für die Überquerung der neu errichteten Günzbrücke auf der Tagesordnung. Von der Bezahlung werden Hochwanger Bürger natürlich ausgenommen und so werden für auswärtige Esel und Rindviecher – natürlich die vierbeinigen - und Pferde 5 Pfennig fällig, während Kälber, Schweine und Ziegen von außerhalb lediglich 2 Pfennige kosten werden.
Hochwangs Räte Andreas Schuler, Thomas Neher, Franz-Josef Frey, Johann Baur, A. Wiedemann jun., Thomas Eberle und Michael Kollmann werden neben den eigenen Einwohnern eine weitere Gruppe vom Brückenzoll ausschließen: es wird vom Gemeinderat schriftlich festgelegt und von Bürgermeister Spengler unterzeichnet, dass die bayerische Königsfamilie bei einem Besuch in Hochwang keinen Brückenzoll zu entrichten hat, sollte sie die Günz überqueren.
Ob bei diesem Beschluss der Wunsch Vater des Gedanken war, bleibt wohl Spekulation. Es ist jedenfalls nicht bekannt, dass ein Mitglied der bayerischen Königsfamilie die Günzbrücke in Hochwang jemals überquert hätte.
Bürgermeister Spengler bewohnt mit seiner Familie in Hochwang Hausnummer 9, das später von der Familie Anton Fink gekauft werden wird.
In diese Zeit, d.h. in die Jahre 1872-1884, fällt die Arbeit eines Mannes, den viele Hochwanger auch im Jahr 2009 schon oft gesehen und vielleicht doch nicht wirklich wahrgenommen haben: Pfarrer Anton Dili. Seine Grabtafel hängt links neben der Kirchentür, und nicht wenige haben wohl oft einen Blick darauf geworfen und sich gefragt, wem die witterungsbedingt schlecht lesbaren Buchstaben wohl gewidmet sein mögen.
Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts beginnt und 1890 wird die Geburtsstunde des zweiten Hochwanger Vereins: Fortuna Hochwang. Der Schützenverein wird fortan die Dorfgemeinschaft bereichern.
Die ersten musikalischen Töne dringen 1893 in die Beschaulichkeit des Dorfes ein. Julius Eberle nimmt als erster den Taktstock in die Hand. Alfred und Julius Eberle verbindet in diesen letzten Jahren des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht nur ihre Verwandschaft, sondern auch die Liebe zur Musik. Diesen beiden schließen sich noch drei weitere Hochwanger an: Josef Thoma („Ritterschuster“), Josef Schuler und Bernhard Neher. Komplettiert wird die erste Hochwanger Musikkapelle durch den Glaser Ratzinger aus Wettenhausen. Verlaufen die ersten Jahre und Jahrzehnte noch schleppend, so nimmt das ganze ab 1941 unter Pius Janetti gehörig an Fahrt auf. Der Grundstein für die Musikkapelle Hochwang wird gelegt und 1946 wird im Fasching erstmals zum Tanz gebeten. 1962 wird das Kapitel schließlich vollendet, denn unter Josef Stocker gründet sich formell der Musikverein Hochwang.
Um die Jahrhundertwende stehen für die Bürgermeister Florian Schuler (1894-1899) und Michael Kollmann (1900-1905, verstirbt während seiner Amtszeit) mit ihren Gemeinderäten zwei wichtige baulichen Vorhaben auf der Tagesordnung, die die Lokalbahn Günzburg-Krumbach betreffen, welche am 29. September 1892 ihre Eröffnungsfahrt aufnimmt.
Am 20. August 1894 liegt den Hochwanger Gemeinderäten Josef Frei, Johann Bauer, Andreas Schuler, Konrad Gaub, Josef Müller und Thomas Neher unter Leitung von Bürgermeister Schuler und seines Stellvetreters Michael Kollmann, der Kostenvoranschlag über „die Errichtung einer Unterstellmöglichkeit am Bahnhofsvorplatz zu Hochwang“ vor. Die anfallenden Kosten von 273,26 Mark werden einstimmig abgesegnet.
Apropos Kosten: im ausgehenden 19. Jahrhundert berechnet die Kirche in Hochwang den Eintritt ins Leben und den Austritt aus selbigem recht unterschiedlich. Während eine Taufe mit 80 Pfennig zu Buche schlägt (40 Pfennig / Pfarrer, 40 Pfennig / Messner), so müssen für ein Begräbnis mindestens stattliche 20 Mark bereitgelegt werden.
Die Summe addiert sich aus Anzahl der Ministranten, einem Messner, einem Pfarrer, einem Organisten, Anzahl der angezündeten Kerzen und Anzahl der gebeteten Rosenkränze.
Der Satz „Strenge Rechnung, Gute Freundschaft“ bekommt so seine ganz eigene Bedeutung.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts verliert Hochwang für wenige Einwohner dann doch den Reiz und einige bekannte Hochwanger Familiennamen, z.B. Frick, Bucher oder Böck finden sich auf den Passagierlisten im Schiffsverkehr nach Nordamerika.
Ottmar Frick aus Hausnummer 27 (unterhalb des Pfarrhofes / Hausname „Zoll“) wagt das Abenteuer Emigration und wird am 15. November 1908 in der neuen Welt ankommen. Er eröffnet mit seiner Ehefrau Anna Bucher aus Hochwang eine Bäckerei in Wallowa/Oregon, die er bis zu seinem Tod im Mai 1942 leitet.
Josef Böck aus Hausnummer 47, Hausname Wangler, stirbt im Januar 1926 in San Francisco/Kalifornien.
Man sollte anmerken, dass weder Ottmar Frick, der sich in den USA dem Freimaurertum zuwendet, noch Josef Böck Kinder hinterlassen werden, so dass zumindest bei diesen beiden Emigranten aus Hochwang heutzutage keinerlei Verbindungen mehr in die USA bestehen.
20. Jahrhundert
Die Jahre 1900 - 1945
Der umfassendere Entscheidungsprozeß für ein zweites großes Bauvorhaben, nach „der Errichtung einer Unterstellmöglichkeit“ im Bahnhofsbereich beginnt am 12. Mai 1904. Auf der Wiese des Florian Zwiebel planen Anton Böck und Anton Heinle die Errichtung einer Bahnhofsrestauration. Beide gehen dieses Vorhaben außerordentlich gut vorbereitet an. Die verlangten positiven Stellungnahmen der Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, die den Hochwanger Bahnanschluß mitnutzen, liegen innerhalb weniger Wochen vor. Kostenvoranschlag und Bauplan werden vom Architekten noch vor Weihnachten 1904 ausgearbeitet und eingereicht. Der Entscheidungsprozeß der Eisenbahndirektion Augsburg wird sich dann aber bis zur Mitte des Jahres 1905 hinziehen, was in einer unerwarteten Ablehnung am 19. Juni 1905 mündet. Den Hochwangern, mittlerweile unter Führung von Bürgermeister Michael Kollmann, wird aus Augsburg mitgeteilt, dass für die geplante Neuerrichtung einer Bahnhofsrestauration keine Notwendigkeit gesehen wird.
In Augsburg behält man es sich aber vor, auf die Ablehnung näher einzugehen; eine Begründung findet sich lediglich in der „nicht vorhandenen Notwendigkeit“ wieder.
Im Jahr 1904 tritt übrigens ein Mann in Hochwang seinen Dienst an, dessen Name heute eine Strasse trägt und dessen Sohn Josef der einzige Hochwanger Primiziant des 20. Jahrhunderts sein wird: Hauptlehrer Alois Bechler.
1906 erhalten Hochwangs Floriansjünger im Leitiweg von Bürgermeister Michael Kollmann und seinen Gemeinderäten die lang ersehnte Heimstatt und können das erste Feuerwehrhaus des neuen Jahrhunderts bauen. Die nächsten sechs Jahrzehnte bis 1969 eilen Hochwanger Männer und auch Frauen dem Trompetensignal der Feuermelder folgend von hier zur Brandbekämpfung aus.
1906 ist aber auch aus einem anderen Grund ein sehr bedeutendes Jahr für die Hochwanger. Es beginnt das Wirken eines Mannes, den man als Glücksfall für unser Dorf bezeichnen sollte und der den Namen unseres Dorfes weit über die Landkreisgrenzen hinaus tragen wird: Pfarrer Alois Burger nimmt seine Arbeit in Hochwang auf und wird das Dorfleben fast ein halbes Jahrhundert prägen.
Alois Burger wird am 8. Juni 1880 in Hausnummer 3 in Sigishofen bei Ofterschwang geboren. Während er zunächst nur als Vikar in Hochwang arbeitet, so wird er ab 1. September 1910 offiziell als Pfarrer von Hochwang tätig sein.
Sein Lebenswerk wird der Bayerische Krippenverein werden. Natürlich verbinden viele Hochwanger mit seinem Namen auch den Bau des Pfarrhofes. Der Neubau des Pfarrhofes wird am 4. Februar 1914 in einer gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat und Kirchenverwaltung unter Vorsitz von Pfarrer Alois Burger und Bürgermeister Josef Frei beschlossen, was durch das bischöfliche Ordinariat am 25. März 1914 auch bestätigt wird. Die Kosten für das neue Bauwerk in Hochwangs Mitte werden sich auf 27.600 Mark belaufen.
Dem Bau des Pfarrhofes geht übrigens ein zähes Ringen von Pfarrer Burger mit Bürgermeister und Gemeinderat voraus, da diese den Neubau der Schule als vorrangig betrachten. Die Gemeinde investiert 1800 Reichsmark zum Kauf eines Bauplatzes für die neue Hochwanger Schule. Schließlich wird der Bau in der Scherbengasse (heute Alois-Burger-Strasse) 1910 eingeleitet und bereits am 9. März 1911 findet erstmals eine Inspektion der neuen Hochwanger Schule durch das Schulamt statt.
Im Jahr 1911 wird Pfarrer Burger erneut aktiv und leitet die Gründung des „Obstbau- und Bienenzuchtvereins“ ein, dessen Vorsitz er zusammen mit Lehrer Alois Bechler übernimmt. Das Mitgliederverzeichnis im Gründungsjahr umfasst 30 Mitglieder und wieder sind vertraute Namen darunter: Bucher, Heinle, Hiller, März oder Megele. Die Bienenzucht ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Hochwang sehr verbreitet und viele Höfe und Anwesen sind die Heimat großer Bienenvölker.
Mittlerweile firmiert der emsige Verein unter Namen „Obst- und Gartenbauverein Hochwang e.V.“ Die fast 100 Jahre Vereinsgeschichte bescheren Hochwang große Kontinuität, was sich in der Zahl von lediglich vier 1. Vorständen widerspiegelt: Alois Burger, Alex Miller, Hans Spörer und bis in die Gegenwart Rudolf Thoma.
Am 12. Juli 1914 bringt der Hochwanger Gemeinderat ein weiteres Bauvorhaben auf den Weg.
Der Plan für den Neubau eines Armenhauses wird am 30. Juni 1914 erstellt und eingereicht, welches außerhalb des Dorfes errichtet werden soll. Der Baubeginn wird sich jedoch durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges verzögern und so beschließt der Gemeinderat am 6. September 1917 den Neubau, welcher aber durch eine einberufene Gemeindeversammlung bestätigt werden muss.
Eine Gemeindeversammlung aller steuerpflichtigen Hochwanger wird notwendig, da die Gemeinde ein Darlehen aufnehmen muss; die Stimmenverteilung erfolgt allerdings nach Steueraufkommen eines jeden einzelnen, was schlicht und einfach folgendes bedeutet: wer am meisten zahlt, hat die meisten Stimmen.
Das hat zur Folge, dass z.B. Pius Böck vom Wangler-Hof (heute Bader-Hof) mit seinem Steueraufkommen von 31,83 Mark 2 Stimmen zugeteilt werden. Zwei andere Hochwanger erhalten die höchstmögliche Zahl von vier Stimmen, während viele andere auch nur mit einer Stimme zur Abstimmung schreiten. Die anwesenden Hochwanger sind sich der Verantwortung bewusst, welche ihnen der Gemeinderat überträgt und beschließt den Neubau des Armenhauses mit 51:0 Stimmen.
Diese Praxis der Abstimmung mag dem verwunderten Leser heutzutage etwas sonderbar erscheinen, war damals gesetzlich so geregelt und für jeden klar nachvollziehbar, eine basisdemokratische Entscheidung in reinster Form.
Man könnte praktisch von der Grundform des Bürgerentscheides sprechen. In den nächsten 85 Jahren werden die Hochwanger noch zwei Mal in dieser Form zu den Urnen gerufen, 1970 (Eingemeindung) und 2001 (Umgehungsstrasse). Bei diesen Abstimmungen hat jeder aber nur noch eine Stimme, das Steueraufkommen wird zur Stimmenabgabe nicht mehr herangezogen werden.
Das ehemalige Armenhaus liegt mittlerweile nicht mehr außerhalb des Dorfes, sondern zentral, wo sich heute Bahnstrasse und Albert-Schweitzer-Strasse gabeln.
Die Weltgeschichte wird im Jahr 1914 aber auch an Hochwang nicht spurlos vorübergehen, und durch das Attentat von Sarajevo, was den Ausbruch des 1. Weltkrieges zur Folge hat, werden auch Hochwangs Männer zu den Waffen gerufen. In folgenden Kriegsjahren wird Pfarrer Burger zu einer großen moralischen Stütze für die Familien des Dorfes, deren Ehemänner und Söhne im Feld stehen. Hochwanger Soldaten werden Pfarrer Burger mit Feldpostkarten zahlreich und regelmäßig persönlichen Kontakt halten und sich mit ihm austauschen können. Sie finden so seelischen Halt, welchen der Pfarrer an die Familien weitergeben kann.
Die kommenden vier Jahre werden für die Gemeinde die erste große Zäsur des 20. Jahrhunderts. Der Verlust von 21 Männer, die ihr Leben auf den Schlachtfeldern und in den Schützengräben verlieren werden, ist ein auch Schlag für die örtlichen Vereine. So müssen die Hochwanger Musiker 1918 wieder bei Null anfangen, da vier Mitglieder der ersten Stunde entweder gefallen sind oder aufgrund der Kriegsfolgen sich ihrer Leidenschaft nicht mehr widmen. Doch die Hochwanger beweisen auch in dieser schweren Stunde wie so oft ihre Tatkraft. 1920 sammeln sich um Julius Eberle wieder sechs Mann, die sich der Musik annehmen und als eine der ersten Kapellen im Landkreis Günzburg im Fasching 1920 zum Tanz bitten. Die ersten Musiker in diesen Tagen sind Julius Eberle (Klarinette) und seine drei Söhne Karl (Tenorhorn), Christian (Bass) und Josef (Trompete), sowie Georg Baur (Trompete), Johann Grau (Tenorhorn) und zu guter letzt Pius Janetti am Schlagzeug.
Dem Jahrzehnt zwischen den Weltkriegen wird von Bürgermeister Josef Weiß und der einzigen Hochwanger Primiz im 20. Jahrhundert der Stempel aufgedrückt.
Der gebürtige Hochwanger Josef Weiß wird die Entwicklung unseres Heimatdorfes in seiner Zeit als 1. Bürgermeister von 1919-1945 durch sachliche und weitsichtige Arbeit in schwierigen Jahren prägen. Seine Amtszeit ist zugleich die längste eines Hochwanger Bürgermeisters überhaupt. Einen besseren Beleg für sein Ansehen und seine Leistung wird es wohl kaum geben.
Die Größe des Josef Weiß zeigt sich vor allem in den Kriegsjahren. Dass die Predigten eines Pfarrers überwacht werden, erscheint heute undenkbar, ist in den Jahren des Nationalsozialismus aber gängige Praxis. So steht es für den Bürgermeister außer Frage, Pfarrer Burger zu informieren, sobald er Kenntnis davon hat, dass Angehörige der NSDAP aus München die Messe in Hochwang besuchen werden.
Der 1. August 1926 ist ein großer Tag für Hochwang. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, denn Josef Bechler feiert an diesem Tag seine Primiz.
1929 wird eines der dringendsten Probleme der Hochwanger Feuerwehr von Bürgermeister Josef Weiß und seinen Gemeinderäten endlich gelöst: die Löschwasserversorgung. Der bekannte Klinglesbrunnen wird durch ein großes Wasserreservoir erweitert, so dass in den nächsten Jahrzehnten der Vorrat an Löschwasser immer gewährleistet ist.
1929 ist auch das Jahr von Hauptlehrer Konrad Schlosser, an welchem sich bis in die Gegenwart wegen seiner antisemitischen Überzeugung die Geister scheiden.
Er übernimmt in diesem Jahr die Führung der Musikkappelle und während seiner Amtszeit, die bis 1939 dauern wird, kommt es zu einem bis heute einmaligen Vorgang in der gesamten Hochwanger Vereinsgeschichte: die Aufspaltung und später folgende Auflösung der ursprünglichen Blechmusikkapelle.
Im September 1929 erreichen die Hochwanger Musiker den höchsten Mitgliederstand seit ihrer Gründung, einschließlich Dirigent zählt die Kapelle beachtliche 11 Mann, sogar bis aus Ebersbach kommt mit Josef Kühbach an der Posaune ein Musiker. Bürgermeister Weiß lässt in diesem Jahr auch den Probenraum im Schulhaus modernisieren und auf Beschluss des Gemeinderats wird dort elektrisches Licht installiert.
Im Jahr 1930 ist Deutschland von Depression und Arbeitslosigkeit gebeutelt, was auch den Hochwanger Musikern nicht spurlos vorüber geht. Aufgrund einer internen Regelung, die den jeweiligen Bassspieler betrifft, erleidet die Vereinskasse schon bald Schlagseite. Am 25. Februar 1930 wird ein gebrauchter Bass um 150,-- Reichsmark gekauft, an dem sich der Bassist mit 50,-- Reichsmark beteiligen muss. Bei einer Änderung der Bestezung wird der neue Bassist das Instrument dann ablösen. Der erste Bassist, Josef Eberle, stirbt im Winter 1930 an einer Blutvergiftung. Der Entschluss, die 50,-- Reichsmark Beteiligung an die Familie zurück zu zahlen, bedeutet am Jahresende ein noch größeres Minus in der Vereinskasse. Doch die Musiker stehen zusätzlich vor einem ganz anderen Problem: die grassierenden Arbeitslosigkeit im Deutschen Reich. In Zeiten, in denen die Familien auf jeden Pfennig angewiesen sind, können von vielen die 50 Pfennig Monatsbeitrag nicht mehr bezahlt werden. Doch wer jetzt keine 50 Pfennig übrig hat, kann erst recht keine große Hochzeit ausrichten; und so versiegt die Haupteinnahmequelle der Musiker in den Jahren 1931 – 1934. Als Männer der Stunde erweisen sich Julius Eberle und Pius Janetti, welche die Begeisterung für die Musik in Hochwang aufrecht erhalten.
Die Lage entspannt sich ab Februar 1934 langsam wieder, da die Schulden der Kapelle abbezahlt sind, doch schon ziehen die nächsten dunklen Wolken für die Kapelle hervor. Der Auflösung geht 1935 die Gründung einer Streichmusik voraus, was aber die Personaldecken der nun zwei existierenden Musikformationen, Blechmusikgesellschaft und eben Streichmusik, zusehends belastet. Da die Situation so nicht haltbar ist, wird am 26. Januar 1936 vertraglich die Vereinigung zum „Musikverein Hochwang“ beschlossen. Keine zwölf Monate später ist diese Vereinbarung bereits Makulatur und am 3. Januar 1937 wird in der Gastwirtschaft Heinle von sechs Anwesenden die Blechmusikkapelle aufgelöst, da sich keine Möglichkeiten in puncto Personal und musikalischem Wirken für die seit 1893 bestehende Kapelle mehr bieten. Für Julius Eberle ist dieser 3. Januar 1937 natürlich ein ganz bitterer Tag, denn sein Lebenswerk, die Blechmusikkapelle, ist erst einmal Geschichte. Aber Pius Janetti, Weggefährte und enger Freund Eberles, wird die Hochwanger Musiker aus dieser verfahrenen Situation heraus und durch die kommenden Kriegsjahre mit großem Eifer führen.
Der 30. Januar 1933 und die Machtergreifung des Braunauers Adolf Hitlers darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Das erste Mal schreiten Hochwangs Bürger am 5. März 1933 zu den Urnen, als die erste Reichstagswahl unter Adolf Hitler ansteht. Das Wahllokal wird vom Gemeinderat unter Bürgermeister Josef Weiß im großen Schulsaal festgelegt. Ungewöhnlicher scheint da heute der schon eher der Zeitraum der Stimmabgabe. Hochwang kann seine Stimmen im Zeitraum von 10 Uhr bis 16 Uhr abgeben, was durch einen einstimmigen Beschluß des Gemeinderates so festgelegt ist.
Die Stimmenverhältnisse an diesem Tag werden relativ klar sein: NSDAP 117, Bayerische Volkspartei 65, Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund 24, SPD 19 Stimmen.
Am 16. Juni 1933 ergibt die allgemeine Volkszählung für Hochwang übrigens 393 Einwohner, die sich auf 91 Haushalte verteilen.
Der Krieg von 1870/71 sowie die beiden Weltkriege gehen natürlich auch an Hochwang nicht ohne Leid vorüber.
Hatte man im deutsch-französischen Krieg mit Leonhard Baur und Matthias Springler noch zwei Verluste zu beklagen, so nimmt die Zahl in den beiden Weltkriegen deutlich zu, wo Hochwanger an fast allen Fronten kämpfen müssen. Während nach dem 1. Weltkrieg nur ein Hochwanger (Anton Böck / Wangler-Hof) den Gang in belgische Kriegsgefangenschaft antreten muss, so verbringen nach dem zweiten Weltkrieg etliche Hochwanger harte und entbehrungsreiche Jahre in sowjetischer und amerikanischer Gefangenschaft.
Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Hochwanger Männer in allen Wehrmachtsteilen und der Waffen-SS kämpfen und an bedeutenden Kampfhandlungen in Afrika (u.a. Georg Spengler), Kreta (Albert Blum), Normandie (u.a. Heinrich Holzer), Monte Cassino (Josef Merkle) oder auch Stalingrad teilnehmen werden.
Erst 1951 wird mit Rudi Kaufmann, dessen Lebensmittelgeschäft im Zeiterweg der eine oder andere sicher noch kennt, der letzte Hochwanger aus sowjetischer Gefangenschaft heimkehren können. Die Tafel im inneren der Kirche (1870/71), das Ehrenmal an der Ostseite der Kirche (1914-1918) und das große Ehrenmal und das Heimkehrerkreuz im Friedhof zeugen davon, wie viele Hochwanger auf den Schlachtfeldern Europas und Afrikas ihr Leben ließen oder deren Schicksal als Vermisste ungewiss bleibt.
Die Aufgabe, die Erinnerung an diese schwere Zeiten hochzuhalten, übernimmt seit dem 8. Dezember 1919 der neugegründete „Krieger- und Soldatenverein“ unter der Führung von Gründungsvorstand Georg Gaub und dessen Stellvertreter Josef Dohr.
Der neue Verein findet schnell festen Zuspruch bei den Hochwangern und am 18. Januar 1920 findet das Gründungsfest statt, bei der Hauptlehrer Bechler, die Festrede halten wird.
Ein wichtiges Datum ist für die Hochwanger Veteranen ist der 8. Oktober 1920.
An diesem Tag wird in Hochwang das erste von heute zwei Kriegerdenkmälern errichtet. Die Tafel trägt die Namen von 21 Hochwangern, die im 1. Weltkrieg auf den Schlachtfeldern und Lazaretten ihr Leben lassen mussten, die meisten starben dabei im letzten Kriegsjahr 1918. Das Ehrenmal wird in der Werkstatt des Bildhauers Hirsch in Günzburg gefertigt. Auf der Tafel an der Westseite der Kirche lassen sich in Hochwang bekannte Namen wie Böck, Schleifer, Schuler, Janetti, Neher oder Kollmann finden.
Die Jahre 1945 - 1980
Nach Kriegsende werden die Hochwanger erstmals am 27. Januar 1946 von der amerikanischen Militärregierung wieder zu den Wahlurnen gerufen. Von 205 abgegebenen Stimmen entfallen 178 auf Josef Essenwanger, dem als Nachfolger von Josef Weiß im Amt des Bürgermeisters die schwierige Aufgabe zufällt, viele Heimatvertriebene in die Hochwanger Dorfgemeinschaft aufzunehmen und zu integrieren.
Stimmkönig im neugewählten Gemeinderat wird übrigens Alex Miller mit 168 Stimmen. Weitere Mitglieder des Gremiums werden Leonhard Schleifer, Leonhard März, Josef Heinle und Josef Walz.
Hochwang muss nun aber auch wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen, was sich in zahlreichen Gewerbemeldungen widerspiegelt. Das erste eingetragene Gewerbe wird der Schneider Alois Thiel am 28. Januar 1947 in Hausnummer 63 sein. Es sollen noch weitere folgen, z.B. Engelbert Megele (Bäckerei, 22.09.1947), Anton Böck (Kürschnerbetrieb, 01.11.1948) oder Heinrich Holzer (Küferei, 01.07.1949).
Mit Josef Schyia aus Ratibor und Anna Zimmermann aus Mährisch-Neustadt werden zwei weitere Schneider sich in Hochwang niederlassen. Abgerundet wird die Entwicklung durch Friseurmeister Johann Eckert, dessen Gewerbeanmeldung am 22. September 1947 eingetragen wird.
Man sollte anmerken, dass Heimatvertriebene keine Gebühren für ihre Gewerbeanmeldung entrichten müssen, was den schon bestehenden Vorbehalten der heimischen Bevölkerung in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit leider nur neue Nahrung geben kann.
Die Entwicklung des Dorfes wird durch Bürgermeister und Gemeinderäte weiter vorangetrieben. Industrie- und Gewerbeansiedlungen gehen in der Nachkriegszeit und den Folgejahren weitgehend an Hochwang vorüber, so dass der dörfliche Charakter bis heute erhalten ist.
Schon bald nach Kriegsende halten auch Notenschlüssel und Taktstock wieder Einzug im Dorf. Pius Janetti und Christian Eberle gelingt es sehr schnell, die Musikbegeisterung wieder zu schüren und eine Kapelle in Hochwang auf die Beine zu stellen. In den Jahren 1946 und 1947 wird in Freihalden, Ellzee, Reisenburg und im Traubenkeller in Günzburg zum Faschingstanz gebeten. Dieser frühen Blüte wird aber vom 18. Juni 1948 an, dem Tag der Geldentwertung in der jungen Bundesrepublik, ein herber Schlag versetzt. Fortan können sich die Hochwanger keinen Kapellmeister mehr leisten, was gewaltig auf die Stimmung und Kameradschaft innerhalb der Kapelle drücken wird. Christian Eberle wird die Zeit von Fasching 1948 bis Kirchweih 1949 in den Annalen des Musikvereins als Flegeljahre der Hochwanger Musik bezeichnen, was die Situation sehr beschönigend umschreibt.
Man rauft sich aber wieder zusammen und kämpft sich mit wachsendem Erfolg und Zuspruch durch die 50er Jahre, die für Hochwangs Musik vor allem durch Konsolidierung geprägt sind. Das wird auch notwendig sein, denn das nächste Jahrzehnt wird das wahrscheinlich wichtigste in der Vereinsgeschichte werden.
Es vergehen sieben Jahre nach Kriegsende, bis sich die Hochwanger zusammenfinden, um den Veteranen- und Soldatenverein wieder aufleben zu lassen. Am 1. Juni 1952 wird bei einer Versammlung im Gasthaus Heinle die Neugründung des Vereins beschlossen. Vorstand der Gründungsversammlung ist Altbürgermeister Josef Weiß.
Der erste Vorstand in den 50er Jahren ist Herr Josef Essenwanger, der gleichzeitig die Geschicke unseres Dorfes als Bürgermeister leitet. Wie 1919 findet der Verein auch diesmal regen Zuspruch und zählt schon bald 83 Mitglieder, die am 13. Oktober 1956 beschließen, dass die Gemeinde Hochwang ein neues Kriegerdenkmal erhalten soll. Die Kosten für das Kriegerdenkmal, welches auf dem damals neuen Friedhof errichtet werden wird, betragen sich auf 6500 DM.
Was für das Jahr 1956 eine gewaltige Summe darstellt, erweist sich für die Veteranen als Herausforderung, die problemlos gemeistert wird. Man steht als Dorfgemeinschaft zusammen und nach drei Sammlungen ist die Summe beisammen. Der Auftrag kann dem Bildhauer Jedelhauser in Rieden a.d. Kötz erteilt werden.
Wie schon 1921 zur ersten Fahnenweihe so ist der 24. Mai 1959 wieder ein wunderschöner Sonntag, an dem den Hochwangern die Sonne lacht und Bürgermeister und Veteranenvorstand Josef Essenwanger die Gemeinde zur Einweihung und Weihe des neuen Kriegerdenkmals einlädt. Doch der Deubacher Pfarrer Hörberg weiht an diesem Tag nicht nur das neue Ehrenmal, er übergibt unter großer Anteilnahme der Hochwanger Bevölkerung auch das Heimkehrerkreuz seiner Bestimmung.
In den folgenden Jahrzehnten werden die Hochwanger Veteranen stets ein fester Bestandteil im Dorfleben sein und von 1959 an wird Georg Schuler, der später auch das Amt des stellvertretenden Landrates bekleiden wird, den Krieger- und Soldatenverein für die kommenden 37 Jahre bis 1996 führen. Die Hochwanger Veteranen werden durch ihre stets aktive Vereinsarbeit bis in die Gegenwart das Leben im Dorf prägen und von leidenschaftlichen und akribisch arbeitenden Vorständen wie Luitpold Schmid und dessen Nachfolger Reinhold Ritter in das 21. Jahrhundert geführt. Erster großer Höhepunkt wird hierbei die Restaurierung und Segnung des Feldkreuzes am Sportplatz im Jahr 2008, welche von den Veteranen initiiert und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert wird.
Das Jahr 1953 wird ein sehr schweres Jahr für die Hochwanger. Am 6. September verstirbt Pfarrer Alois Burger nach 47 Jahren geistlichen Wirkens in Hochwang. Unter größter Anteilnahme der Bevölkerung wird der Sarg des 1935 zum Ehrenbürger der Gemeinde Hochwang ernannten Geistlichen durch das Dorf getragen und anschließend feierlich beerdigt. An diesem Tag erweist ihm das ganze Dorf noch einmal all die Hochachtung und den Respekt, welchen sich Pfarrer Alois Burger durch seine seelsorgerische Arbeit und menschliche Lebensweise in all den Jahren erworben hat.
Viele werden sich an diesem Tag noch einmal der unzählige Taufen und Trauungen, Unterrichtsstunden, Hausbesuche und persönlichen Gespräche mit Pfarrer Alois Burger ins Gedächtnis rufen.
Er wird allerdings nicht der einzige Burger bleiben, welcher in Hochwang beerdigt wird. Seine drei Brüder Meinrad, Josef und Nikolaus, sowie seine Schwester Anna finden auf dem Friedhof ebenfalls ihre letzte Ruhe. Die Schwester steht Pfarrer Burger jahrelang als treusorgende Haushälterin stets zur Seite.
Der Grabstein der Burger-Geschwister befindet sich nach wie vor in Hochwang und lässt sich an der Nordseite des Kirchturms in Augenschein nehmen.
Im Jahr 1954 erlebt Hochwang das Wunder von Bern, doch die Gründung eines Sportvereins lässt noch zwölf Jahre auf sich warten. Am 6. Februar 1966 wird schließlich der Sportverein Hochwang im Gasthaus Zwiebel statt ins Leben gerufen.
Josef Grau sen. wird den neuen Verein von diesem Tag an als 1. Vorstand führen und über die Jahrzehnte hinweg immer die treibende Kraft für den Verein sein. Die Jagd nach dem runden Leder ist schnell ein fester Bestandteil im Dorfgeschehen und viele Hochwanger fiebern seit über 40 Jahren im Kampf um Punkte und Tabellenplätze mit.
Den ersten Meilenstein in der Vereinsgeschichte markiert der 13. August 1967, als Pfarrer Buck dem neu errichteten Sportplatz den kirchlichen Segen erteilt. Ob der Segen auch den Ballzauberern gelten soll, lässt der Geistliche aber offen. Zumindest hat man fortan eigenes Spielfeld und muss für die Heimspiele nicht mehr auf fremdes Terrain in Kleinkötz und Ichenhausen ausweichen. Das eigene Vereinsheim wird das nächste Großprojekt der Kicker, was aber noch acht Jahre dauern wird. So weicht man eben bis zum Juli 1975 in die Gaststätte „Zum Kreuz“ und ins Musikheim aus.
Der glanzvolle Höhepunkt dieser langen Jagd nach Punkten und Toren wird im Jahr 2005 der erstmalige Aufstieg des SV Hochwang in die Kreisklasse sein
Im Jahr 1962 hat ein bekannter Hochwanger Flecken seinen Dienst schließlich auch getan und kommt zur Ruhe: der Brunnen am Klinglesberg. Mit seinen Quellen wird der Brunnen nach dem zweiten Weltkrieg für viele alte und neue Hochwanger die einzige Wasserversorgung beim Hausbau sein.
Im September 1962 wird das neue Wasserhaus in Betrieb genommen, welchem ein Beschluss des Gemeinderates vom 10. Januar 1955 vorausgeht. Da für die Gemeindeführung der neue Friedhof in der Alois-Burger-Strasse Priorität hat, wird dies zu über 6 Jahren Verzug in Sachen Wasserhaus führen. Im Jahr 1959 kann Bürgermeister Josef Essenwanger mit seinem Gemeinderat schließlich an die Vorbereitungen gehen, um die finanziellen und baurechtlichen Vorraussetzungen zu schaffen. Am 29. Mai 1961 lässt die Fa. Konrad Konrad die Bagger anrollen und in zwei Bauabschnitten bis zum September des folgenden Jahres wird eines der wichtigsten Bauwerke in Hochwang im 20. Jahrhundert errichtet.
Im folgenden Jahr wird einer der ältesten Vereine des Dorfes auch formell ein solcher. Was mit der „Kapelle Eberle“ 69 Jahre vorher beginnt, mit der „Musikgesellschaft Hochwang“ am 1. Juli 1930 fortgeführt wird, findet am 5. Mai 1962 im Gasthaus „Zum Kreuz“ mit der Gründungsversammlung des Musikvereins Hochwang 1893 e.V. seine Vollendung. Doch der neue Verein wird schon sehr schnell mit zwei gewaltigen Aufgaben konfrontiert, die aber in souveräner Manier gemeistert werden: die Ausrichtung des Bezirksmusikfest 1963 und der bevorstehende Bau des Musikheims.
Die 671 Hochwanger werden am 6. und 7. Juli 1962 Gastgeber für 37 Musikkapellen aus dem gesamten Bezirk. Man sorgt vor und organisiert für diese Tage eines der größten überhaupt verfügbaren Festzelte, das für 3000 Gäste ausgelegt ist. Jeder Gast soll schließlich einen Sitzplatz bekommen. Die umtriebigen Musiker wissen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, dass allein für Zeltaufbau und dessen Abbau fast 1.200 Arbeitstunden investiert werden müssen. Doch das ganze Dorf packt auch diesmal wieder an und viele verbringen ihre Feierabende bei der Vorbereitung des Festes. Beim Bierausschank werden an diesem Wochenende dann doch satte 81 Hektoliter Bier notiert, was Rückschlüsse auf den Erfolg des Festes zulässt. Die Schirmherrschaft bei diesem Großereignis wird Landrat und spätere bayerische Innenminister Dr. Bruno Merk innehaben, der sich von der Schaffenskraft und dem Organisationstalent der Hochwanger Musiker um Vorstand Wilfried Jaitner ein Bild machen kann.
Doch kaum ist das Musikfest vorüber, nehmen die Musiker das nächste Großprojekt in Angriff. Am 28. September 1963 werden die Weichen für den Bau des Musikheimes gestellt. Eine ausgebeutete Kiesgrube im Hochwanger Westen, der heutigen Albert-Schweitzer-Strasse, wird vom Gemeinderat um Bürgermeister Andreas Schuler zur Verfügung gestellt und ist damit die nächste Großbaustelle, an der sich das ganze Dorf, sowohl aktive als auch passive Vereinsmitglieder, beteiligen werden.
In unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden wird der der Bau während des ganzen Jahres 1964 vorangetrieben und jedes Vereinsmitglied bringt sein Fachwissen und Arbeitskraft mit ein.
Die kommenden Faschingsbälle im neu errichteten Musikheim erlangen schnell große Anziehungskraft weit über die Dorfgrenzen hinaus und bescheren den Musikern in der närrischen Zeit ständig ein volles Haus. Faschingsnarren aus dem ganzen Landkreis strömen an den Wochenenden nach Hochwang und nicht wenige davon machen sich erst bei Sonnenaufgang wieder auf den Heimweg. In den kommenden Jahrzehnten werden viele Hochwanger auch den vermeintlich schönsten Tag im Leben, ihre Hochzeit, im Musikheim feiern.
1970 erfolgt eine Zäsur im positiven Sinn in der Hochwanger Geschichte, denn der Gemeinderat muss eine Entscheidung treffen, die man als historisch bezeichnen kann, die aber von Weitsicht gekennzeichnet ist.
Bayern bewegt sich wieder. Doch diesmal ist es nicht ein kleingewachsener Korse wie anno 1806, sondern ein Innenminister aus Günzburg, der in Bayern und natürlich auch bei uns in Hochwang das verwaltungstechnische Rad der Geschichte in Bewegung setzt. Die Gebietsreform wird von Innenminister Dr. Bruno Merk und der bayerischen Staatsregierung in München beschlossen und Hochwang beschließt unter Bürgermeister Andreas Schuler mit seinen Gemeinderäten Josef Heinle, Josef Stocker, Xaver Merkle, Georg Schuler, Fritz Kollmann, Alfred Eberle, Johann Merkle und Wilfried Jaitner diese zügig und zeitnah umzusetzen.
Die Eingliederung zum südlichen Nachbarn Ichenhausen wird ins Auge gefasst und auch beantragt. Doch erstmal müssen die Hochwanger überzeugt werden; das Ergebnis der Bürgerbefragung bringt schnell ein klares Votum: 196 Ja-Stimmen, 80 Gegenstimmen. Wie viele hitzige Diskussionen dieser Abstimmung vorausgegangen sein mögen, lässt sich heute wohl nur noch erahnen. Diejenigen, die solchen Wortgefechten beiwohnen durften, können sicherlich mittlerweile darüber schmunzeln.
Die letzte Amtshandlung von Bürgermeister Andreas Schuler findet schließlich nicht mehr in Hochwang statt, sondern in Ichenhausen im Gasthof „Bären“. Dort versammeln sich am zweiten Januarwochenende 1971 der Gemeinderat von Hochwang und die Vorsitzenden der Hochwanger Vereine, um mit den Ichenhausener Stadtratskollegen der Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrages beizuwohnen. Nach 146 Jahren wird damit das Wirken von Hochwanger Gemeindevorstehern und Bürgermeistern beendet, welches im Jahr 1825 seinen Ausgangspunkt hat.
Zum 01.01.1971 ist die Selbstständigkeit Hochwangs zwar Geschichte, doch Hochwang selbst ist weiterhin politisch überaus aktiv. Die zahlreichen Hochwanger, die nach Ichenhausen in den Stadtrat gewählt werden, Hochwanger als Vorsitzende der Parteiverbände, Hochwanger als Fraktionsvorsitzende im Stadtrat und letztlich mit Hans Klement ein Hochwanger als Bürgermeister an der Spitze der Stadt belegen, dass der Rat und die Stimme der Hochwanger auch in der Stadt Ichenhausen großes Gewicht und Anerkennung haben.
Ein Meilenstein nach der Eingemeindung hätte der Versuch des SV Hochwang werden können, die örtlichen Vereine in einem „Gesamtverein“ zusammenzuführen.
Dieser Versuch spiegelt die visionäre Idee wieder, die Hochwanger Vereine zu stärken und sich ein gewisses Maß an Eigenständigkeit und Stärke auch weiterhin zu bewahren.
Doch nach langen Gesprächen und Diskussionen innerhalb der Hochwanger Vorstände wird sich sehr schnell zeigen, dass die Zeit in den 1970er Jahren für solch ein großes Vorhaben noch nicht reif ist. Man muss mit dem Ende der Selbstständigkeit wohl noch einige Jahre und Jahrzehnte ins Land gehen lassen, damit diese Idee reifen kann und vielleicht hofft der eine oder andere Vorstand, dass nachfolgende Generationen diesen Versuch wieder aufleben lassen und einen neuen Anlauf starten werden.
In Folge der Eingemeindung und der somit verlorenen Selbstständigkeit verfällt das Dorf mit seinen Einwohner aber keineswegs in Lethargie.
Nur ein einziges Mal noch in den 70er Jahren wird der Hochwanger Seele ein herber Schlag verpasst. Am Ende des Jahrzehnts steht eine der größten Baumaßnahmen überhaupt in Hochwang an: die Hauptsstrasse wird zur Bundesstrasse ausgebaut. So notwendig und richtig dieser Schritt auch ist, so tief ist auch der damit verbundene Schnitt durch das Hochwanger Zentrum. Im Zuge der Baumaßnahmen wird die Strasse abgesenkt und verbreitert, was den Abriss der beiden Gasthäuser Heinle und Zwiebel zur Folge hat.
Hochwang verliert hier nicht nur seine letzten beiden Gasthäuser nach dem Gasthaus Rauskolb, es verliert hier auch ein großes Stück Identität. Denn nirgendwo konnte man den Pulsschlag des Dorfes in den vergangenen 150 Jahren besser messen als hier in der Mitte unseres Dorfes.
Dieser Schnitt durch die Mitte von Hochwang wird sich aber nachhaltiger auswirken, als viele damals dachten und heute noch wahrhaben wollen. Der Kirchplatz mit den beiden Wirtschaften „Heinle“ und „Zwiebel“ war einfach zu sehr Herz und Zentrum, als dass der Bau der Bundestrasse spurlos in den Köpfen vorüber gehen konnte.
Doch hat man bereits die letzten beiden Dekaden des 20. Jahrhunderts vor Augen und nimmt diese nun voller Elan und Tatkraft in Angriff. Im Stadtrat Ichenhausen ist man in den 1980er Jahren mit bis zu drei Stadträten vertreten (Anton Heinle, Hermann Schuler, Rudolf Thoma), entsprechend hat Hochwanger Wort auch Gewicht...